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Manfred Riebe



Registriert seit: 23.10.2002
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Beitrag: Dienstag, 09. Nov. 2004 19:50    Titel: RETTET DIE DEUTSCHE SPRACHE! Antworten mit Zitat

RETTET DIE DEUTSCHE SPRACHE!

Richtig! Auf der SPIEGEL-Titelseite stand: „Schwachsinn Rechtschreibreform. RETTET DIE DEUTSCHE SPRACHE! Der Aufstand der Dichter“. In: DER SPIEGEL Nr. 42 vom 14. Oktober 1996.

Zwischen Worten und Taten ist ein großer Unterschied. Mit der Wahl des Buchtitels „Rettet die deutsche Sprache“, nicht in Schreischrift und ohne Ausrufezeichen, erinnert die JF ein wenig an die großen Sprüche des „Sturmgeschützes der Demokratie“. Deutlicher hatte es Ulrich Schacht schon am 13. August 1999 gesagt:

„Wie weit wir sind, zeigt dieser 1. August 1999 paradigmatisch: Die legendäre vierte Gewalt der Republik, die Presse – von Bild bis Spiegel – hat ohne Not, aber dafür restlos kapituliert. Begründung: Weil alle, deshalb auch wir. Da stehen sie nun die großen und kleinen ‚Sturmgeschütze der Demokratie‘ – mit von den eigenen Kanonieren vernagelten Rohren! Das klassische Mitläuferargument als Anleitung zur Unschädlichmachung des Kampfgeräts. Armes Deutschland! Nur das Fernsehen war live ehrlich [...] Es jubelte [...] über die endlich erfolgte Sprach-Gleichschaltung auf das Niveau, das hier besonders tief gepflegt wird. ‚Wetten dass?‘, hieß es bei einem der Sender stolz, habe es ja schon immer so gehalten. [...]“

Ulrich Schacht: Rechtschreibung: Die ‚Wetten dass?‘-Reform. Ein Vandalenakt. In: Junge Freiheit Nr. 33, 13. August 1999.

Die JF druckte Schachts Artikel als letzten ab: www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=501#501 -.

So ähnlich stand es aber auch auf dem BILD-Orden: „Retter der deutschen Sprache“, den die BILD-Zeitung im August dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff verlieh: www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2347#2347 -.

Als Titelbild wurde ein Fotoausschnitt des Goethe-Schiller-Denkmals gewählt, das 1857 vor dem deutschen Nationaltheater in Weimar errichtet wurde. Es stammt von Ernst Friedrich August Rietschel, (1804-1861) einem der bedeutendsten deutschen Bildhauer des Spätklassizismus. Die von ihm geschaffenen Skulpturen haben das Bild Deutschlands als Land der Dichter und Denker entscheidend mitgeprägt.
Unter dem Foto des Denkmals steht der Buchtitel: „Rettet die deutsche Sprache“. Gemeint ist, daß die Schreibweise der Dichter und Denker vor der Verfälschung in die neue Beliebigkeitsschreibung gerettet werden soll. Doch Goethe und Schiller können sich gegen die Verhunzung ihrer Schriften nicht mehr wehren. So stehen in den Schulbüchern nun alte und neue Rechtschreibung nebeneinander (Horst Haider Munske: Goethe kann sich nicht mehr wehren. In: Der Tagesspiegel vom 5. Juli 1997). In Weimar wird alljährlich der Deutsche Sprachpreis verliehen, so 2001 auch an Professor Theodor Ickler.

Der Regionalleiter des Vereins Deutsche Sprache (VDS) für Österreich und zugleich Vorsitzender des Vereins Muttersprache, Wien, Professor Heinz Dieter Pohl, meint dagegen: „Ob man ein Werk von Schiller oder Goethe in zeitgenössischer, alter oder neuer Rechtschreibung liest: auf die Schönheit ihrer Sprache und auf den Gehalt ihrer Werke hat dies keinen Einfluss“ (Heinz Dieter Pohl: Zur Diskussion rund um die Rechtschreibreform. Ein Appell zu mehr Sachlichkeit. Aktualisiert am 15.8.2004 - http://members.chello.at/heinz.pohl/Rechtschreibreform.htm -).

Die JF-Dokumentation ist von der Thematik her vergleichbar mit der FAZ-Dokumentation:
Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland: Die Reform als Diktat. Zur Auseinandersetzung über die deutsche Rechtschreibung. Frankfurt am Main, 1. Auflage, Oktober 2000.

In dem JF-Sammelband kommen nur drei Sprachvereine zu Wort: die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, der VDS und der VRS. Bemerkenswert ist, daß der VDS sich nicht am Kampf gegen die Rechtschreibreform beteiligt. Warum beteiligen sich auch die anderen großen deutschen Sprachvereine wie die GfdS und das IDS nicht am Kampf gegen die Rechtschreibreform? Diese Sprachvereine sind die Betreiber der Rechtschreibreform und sind staatlich finanziert ...

Was über den VDS und andere Sprachvereine - wie die GfdS und das IDS - zu sagen ist, steht in meinem Aufsatz: „Wahrung“ und „Förderung“ der Sprache - www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?t=580 -.

Konstruktive Kritik an der JF-Dokumentation:

Die JF versucht, wie es der VRS und die DEUTSCHE SPRACHWELT auch tun, den Kampf sowohl gegen überflüssige Anglizismen als auch gegen die Rechtschreibreform zu führen. Das ist nicht einfach. Der große VDS hat es sich nicht zugetraut.

Die bibliographischen Angaben auf der Impressum-Seite sind nur bruchstückhaft vorhanden. In der Rechnung steht dagegen noch: Dieter Stein (Hrsg.) und EDITION JF, Reihe dokumentation 9. Diese Angaben fehlen im Impressum. Auf dem Umschlag steht fälschlich: Band 8 [der Schriftenreihe].

Moritz Schwarz hat das Verdienst, führende Reformkritiker interviewt zu haben. Manche Fragen wären sonst nicht gestellt und beantwortet worden. Man wundert sich, daß andere Journalisten diesen investigativen Journalismus ausgerechnet bei der Frage der Rechtschreibreform nicht pflegen.

Aber angesichts von sieben Artikeln von Thomas Paulwitz, des sicherlich sehr kenntnisreichen und verdienstvollen Schriftleiters der DEUTSCHEN SPRACHWELT, fragt man sich dennoch, warum nur das Interview mit Theodor Ickler und nicht auch Artikel Theodor Icklers oder anderer Reformkritiker abgedruckt wurden. Siehe zum Beispiel:

- Ickler, Theodor: Ungezählte Barbarismen. Die neubearbeitete Duden-Rechtschreibung bleibt auf halbem Wege stehen. In: Junge Freiheit Nr. 35, 25. August 2000, S. 14

- Ickler, Theodor; Reichert, Klaus: Rechtschreibreform rückgängig machen? PRO & CONTRA. In: Junge Freiheit vom 10. Oktober 2003
(Professor Ickler ist Mitglied des Vorstands des Instituts für Germanistik der Universität Erlangen; Professor Klaus Reichert ist Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung)

Vgl. Kritiker der Rechtschreibreform in der „Jungen Freiheit“ - www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=1510#1510 -.

In einer Dokumentation sollte der Quellenapparat einwandfrei sein. Die Quellenangaben der JF-Artikel sind im Anhang unter „Drucknachweise“ versteckt. Eine Zuordnung zu den Artikeln wäre leserfreundlicher; denn der Leser möchte auch erfahren, wann der Artikel geschrieben wurde. Es ist ein großer Nachteil, daß in den Zeitungsartikeln und somit auch in diesem Sammelband, fast alle Quellenangaben wegfielen, so daß der dokumentarische und wissenschaftliche Wert sinkt. Die Informationen sind ohne Quellenangaben nicht so leicht auf ihren Wahrheitsgehalt nachzuprüfen. Zeitungen und auch Nachrichtensendungen im Fernsehen nennen daher zunehmend Internetseiten als Quelle. In diesem Sammelband wird nicht einmal die Internetseite der JF genannt.

Die Angaben zu Professor Theodor Ickler im Personenverzeichnis auf Seite 186 enthalten einige seiner Buchtitel. Aber man hat seine neuesten wichtigen Veröffentlichungen weggelassen, die über die Hintergründe der Rechtschreibreform informieren:

- Ickler, Theodor: REGELUNGSGEWALT. Hintergründe der Rechtschreibreform.
St. Goar: Leibniz Verlag, 2001, 306 Seiten, ISBN 3-931155-18-8,
- Ickler, Theodor: Rechtschreibreform in der Sackgasse: Neue Dokumente und Kommentare. 1. Auflage, St. Goar: Leibniz-Verlag, Mai 2004, 276 S., ISBN 3-931155-22-6

Auch bei anderen Autoren hätte man Literaturangaben machen können. Ich denke z.B. an:

- Paulwitz, Thomas und Micko, Stefan: „Engleutsch? Nein, danke! Wie sag ich's auf deutsch?“ Ein Volks-Wörterbuch, 2. Auflage, Erlangen und Wien, 2000, 132 Seiten, ISBN 3-00-005949-0.

Die Autoren stützten sich außerdem auch auf Veröffentlichungen anderer Autoren z.B. in Büchern oder Internetseiten, die in den Artikeln nur stichwortartig erwähnt oder manchmal herausgekürzt wurden. Sie wären die Grundlage für ein kleines Literaturverzeichnis, so daß auch die Veröffentlichungen weiterer Autoren genannt würden, die man sonst in der Presse und in den Literaturverzeichnissen der staatlich finanzierten Sprachvereine (GfdS, IDS) meist verschweigt. Ein Blick in: www.vrs-ev.de/literatur.php#rsr - zeigt ansatzweise, was ich meine.

Wenn der Kampf gegen die Schlechtschreibreform eine „Graswurzelrevolution“ (Dieter Stein) ist oder besser: eine „Graswurzelbewegung“, dann müßte man, um dies zu verdeutlichen, in einem Literaturverzeichnis u.a. auch folgenden Sammelband angeben:

- Riebe, Manfred; Schäbler, Norbert; Loew, Tobias (Hrsg.): Der „stille“ Protest. Widerstand gegen die Rechtschreibreform im Schatten der Öffentlichkeit. St. Goar: Leibniz-Verlag, 1997, ISBN 3-931155-10-2 (Dokumentation von 21 Initiativen gegen die Rechtschreibreform),

der auch im Literaturverzeichnis der FAZ-Broschüre: „Die Reform als Diktat“ aufgeführt ist. Im FAZ-Literaturverzeichnis steht am Schluß: „Leserzuschriften an die F.A.Z. und die wichtigsten Artikel dieser Zeitung zur Rechtschreibung finden sich unter der Internet-Adresse: www.faz.de.“

Im übrigen hatte der Deutsche Bundestag am 26. März 1998 beschlossen: „Die Sprache gehört dem Volk.“ Folglich gehören auch deswegen in eine solche basisdemokratische Dokumentation Leserbriefe hinein.

Die Artikel wurden ohne Begründung zeitlich so geordnet, daß der jüngste Beitrag am Anfang und der älteste am Schluß steht. Leichter nachvollziehbar wäre die chronologische Reihenfolge.

Bei den im Anhang enthaltenen Dokumenten sind die Titel manchmal nur bruchstückhaft zitiert, z.B. Frankfurter Erklärung [zur Rechtschreibreform]. Es fehlen auch Quellenangaben, oder diese sind ungenau. Ein Beispiel:

Falsch:
Im Inhaltsverzeichnis steht unter 22. „Anhang“ u.a.: „Erklärungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“. Schaut man an dieser Stelle nach, findet man auf Seite 162 f.:

Rücknahme der Rechtschreibreform ist die sparsamste Lösung - Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprache - 26.07.2004 -
Einen solchen Verein gibt es nicht. Auch in den Interviews mit Karin Pfeiffer-Stolz (S. 49), den Herren Tietz (S. 32), Brosinsky (S. 74) und Meier (S. 111) wird der VRS verkürzt und damit falsch bezeichnet: Verein für Rechtschreibung und Sprachpflege.

Richtig:
Rücknahme der Rechtschreibreform ist die sparsamste Lösung, Pressemitteilung des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) - 26.07.2004 - www.vrs-ev.de/pm260704.php

Man hat also vergessen, den VRS im Inhaltsverzeichnis aufzuführen. Die „Erklärungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“ findet man weiter hinten auf Seite 173 ff.

Richtig wird der VRS dagegen in den Interviews mit Theodor Ickler (S.122) und Walter Krämer (S. 140) bezeichnet. Walter Krämer ist seit 1997 VRS-Mitglied, Theodor Ickler war bis Dezember 1998 Mitglied des VRS.

Professor Theodor Ickler urteilt: „Sehr verdienstvoll ist der Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) mit seinem Vorsitzenden Manfred Riebe. Denn der VRS hat eine enorme organisatorische Leistung erbracht. Die Vereine und Initiativen haben dafür gesorgt, daß wir zum Beispiel zur Anhörung des Bundesverfassungsgerichts geladen wurden. Ich bin zwar nicht Mitglied in irgendeinem dieser Vereine, aber als sprachwissenschaftlicher Berater bin ich ihnen allen sehr eng verbunden.“ (S. 122)

Richtigstellung:

Nur die Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform“ und der VRS hatten für die Einladung zur Anhörung des Bundesverfassungsgerichts gesorgt. Vor dem BVerfG waren nur drei reformkritische Organisationen vertreten: die DASD, die Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform“ und der VRS. Siehe das Urteil des BVerfG vom 14. Juli 1998: www.bverfg.de/entscheidungen/frames/rs19980512_1bvr164097

In den Artikeln hat man leider die im Original vorhandenen Adressen der Sprachvereine weggelassen. Daher wäre ein Verzeichnis der zitierten Sprachvereine mit deren Adressen und Internetseiten wünschenswert.

Anmerkung:
In den VRS-Links wurde „viewtopic“ durch „themaschau“ ersetzt, damit sie wieder funktionieren.


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Manfred Riebe



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Beitrag: Dienstag, 09. Nov. 2004 22:43    Titel: Ulrich Schacht Antworten mit Zitat

Ulrich Schacht provoziert mit radikalen Ansichten - Landesbeauftragter für Stasi-Unterlagen lud rechtsradikalen Autoren nach Rostock ein

Rostock(OZ) „Wenn jemand im Knast geboren wird, scheint ihm seine Biografie vorgegeben zu sein“, sagte Autor Ulrich Schacht, als er gestern in Rostock nach seiner Vita befragt wurde. Schacht, 1951 im Frauengefängnis Hoheneck geboren, wo seine Mutter inhaftiert war, hat eine Biografie, die von Brüchen geprägt ist und von der Erfahrung Knast - 22 Jahre nach seiner Geburt saß er selbst im Gefängnis wegen staatsfeindlicher Hetze gegen die DDR. Sieben Jahre sollte er dort verbüßen. Nach drei Jahren kaufte ihn die Bundesrepublik 1976 frei. Ein Opferschicksal, von dem Schacht bei seiner Lesereise durch M-V berichtet. Der Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Jörn Mothes, hatte ihn dazu in die Dokumentations- und Gedenkstätte der Birthler-Behörde in Rostock eingeladen.

Ulrich Schacht hat viel zu sagen. Radikal und kompromisslos. So schwadroniert er mit großer Geste über den Zustand der Bundesrepublik, die seiner Ansicht nach von einer Politiker-Generation regiert werde, die „marxistisch konditioniert“ sei. Die habe aus Deutschland ein Land gemacht, das nicht mehr die Republik des Grundgesetzes sei. Deshalb habe er das Land auch verlassen und lebe jetzt in Schweden.

Schacht genießt das leise Entsetzen der Zuhörer, als er von Joschka Fischer als einem spricht, der mit „Schaum vorm Maul“ gegen radikalen Kapitalismus gekämpft habe und jetzt „fett darin etabliert“ sei. Und er bezeichnet die so genannten 68er, denen er nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik begegnete, als „Menschen vom gleichen Typus, wie die bei der Stasi.“

Künstlerische Freiheit? Überschießende Provokation eines einstigen Opfers von staatlicher Macht? Schacht, ein Theodor-Wolff-Preisträger, gibt sich überlegen. Für Kollegen, wie Günter Grass, den er als „ganz kleinen Charakter“ und „intellektuellen Tiefflieger“ beschreibt, hat er nur Verachtung. An seiner eigenen moralischen Integrität darf allerdings gezweifelt werden.

So wird Schacht im Handbuch des Deutschen Rechtsextremismus von 1996 unter anderem als Autor der „Jungen Freiheit“ genannt, die in rechtsextremen Kreisen aufgrund ihrer Eisbrecherfunktion für die konservative und nationale Publizistik der Bundesrepublik geschätzt wird. Der Verfassungsschutz erwäge, laut Handbuch, die „Junge Freiheit“ unter Beobachtung zu stellen. Publizistisch versuche sie, Sammlungsbewegungen des rechten Spektrums zu unterstützen. Hilfe, die 1995 besonders dem als rechtsnational eingestuften „Bund freier Bürger“ zugute gekommen sei. Und auch da taucht der Name Ulrich Schacht auf. Als Kandidat der Partei für den Hamburger Senat 1997. Schacht, ein Autor, der sich im Dunstkreis rechter Gesinnungsgenossen bewegt? Christoph Kleemann, Leiter der Außenstelle der Birthler-Behörde in Rostock will Schacht nicht in diese Ecke stellen. Er möge ja radikale Ansichten vertreten, allerdings müsse man die vor dem Hintergrund seiner Biografie sehen. „Opfer leben oft nach einem anderen Koordinatensystem.“ Man müsse schon zwischen radikal und rechtsradikal unterscheiden. „Wenn wir von rechtsradikalen Ansichten des Autors wüssten, hätten wir ihn nie eingeladen.“ Kleemann versichert, die Behörde werde den Vorwürfen nachgehen.

Manuela Pfohl

Ostseezeitung vom 31.01.2003

links-lang.de
links-alternative Seite für Mecklenburg-Vorpommern
www.links-lang.de/presse/541.htm
____________________________

Anmerkungen:

Hier sieht man am Beispiel eines Presseartikels wieder einmal die Stasi-Methode der Zersetzung mit Gerüchteküche, Rufmord usw. - www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=373#373 -. Sie scheint sich nach der Wiedervereinigung auch im Westen auszubreiten (Manuela Pfohl: Und er bezeichnet die sogenannten 68er, denen er nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik begegnete, als „Menschen vom gleichen Typus, wie die bei der Stasi.“) Es ist ganz übel, daß jemand, der lediglich für seine Werte eintritt, sofort in die rechte Ecke gestellt wird. Offensichtlich ist manchen Journalisten jedes Mittel recht, Aufmerksamkeit zu erzielen. Vgl. hierzu:

- Denk, Friedrich: Die Zensur der Nachgeborenen - www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=430#430 -.
- Knabe, Hubertus: Die unterwanderte Republik – Stasi im Westen. Berlin: Propyläen-Verlag, 1999.
- Schuller, Wolfgang: Zersetzung - Angriffe aus dem Dunkeln. Die verdeckte terroristische Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit. In: Süddeutsche Zeitung, 06.07.99, S. 10.

Die Deutschen sind traumatisiert durch das Dritte Reich, den Krieg, KZ-Erlebnisse, Bombenangriffe auf deutsche Städte, die Vertreibung, das DDR-Zwangssystem, usw. Niemand konnte sich dem entziehen. Im DDR-Staat wurde man indoktriniert, umerzogen und bespitzelt. Also mußte man sich scheinbar anpassen und mit Tarnen und Täuschen zur Wehr setzen. Aber selbst wenn DDR-Bürger nicht mit der Stasi zusammenarbeiteten, wurden sie unterschwellig von der Ideologie und den Methoden der Stasi beeinflußt ... Ich meine damit in DDR-Deutsch: das „Runderneuern“ – u.a. veranlaßt z.B. von Margot Honecker und ihrem „Parteiaktiv“ an den Schulen. Dazu gehörte auch das Ziel einer neuen ideologiegelenkten Rechtschreibung.

Die zugrundeliegende jahrzehntelange Angst kann sich so tief einprägen, daß aus diesem vorsichtigen Verhalten Gewohnheit wird. Es könnte immer noch eine Angst vor SED-Seilschaften vorhanden sein. Wenn jemand verhaftet, eingesperrt und drangsaliert wurde, könnte das in extremen Fällen sogar zu einer posttraumatischen Störung führen.

Es gibt auch DDR-Bürger, die sich dagegen wehren und diese totalitären Verhältnisse anprangern, wie z.B. Reiner Kunze oder Ulrich Schacht. Das ist zu begrüßen. Siehe zum Beispiel:

- Reiner Kunzes Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2004 in Erfurt - www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2382#2382 -.

Zur traumatisierten Kriegs- und Nachkriegsgeneration:

- Krumpholz-Reichel, Anja: Die Angst vor Bomben blieb. Kriegskinder sind noch heute vom Erlebten geprägt. In: Nürnberger Zeitung Nr. 264 vom 13./14.11.2004, MAGAZIN am Wochenende, S. 1

- Bode, Sabine: Die vergessene Generation Kriegskinder brechen ihr Schweigen. Stuttgart: Klett-Cotta-Verlag, 2004; 288 S.

- Lorenz, Hilke: Kriegskinder. Das Schicksal einer Generation. München: List Verlag, 2003, 304 S.

- Radebold, Hartmut: „Kriegskinder“ im Alter: Bei Diagnose historisch denken
Deutsches Ärzteblatt, PP 3, Heft 27, Ausgabe Juli 2004, Seite 312 - THEMEN DER ZEIT. www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=42733

- Benoit, Walter F.: „Kriegskinder im Alter“ – Bei Diagnose historisch denken: Sekundärphänomen im ärztlichen Notdienst. In: Deutsches Ärzteblatt 101, Ausgabe 42 vom 15.10.2004, Seite A-2801 - THEMEN DER ZEIT: Diskussion (zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Hartmut Radebold in Heft 27/2004)
www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=42575

- Schaaf, Helmut: „Kriegskinder im Alter“ – Bei Diagnose historisch denken: Auf Somatisierungserkrankungen achten. In: Deutsches Ärzteblatt 101, Ausgabe 42 vom 15.10.2004, Seite A-2801, THEMEN DER ZEIT: Diskussion (zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Hartmut Radebold in Heft 27/2004)

aerzteblatt.lnsdata.de/pdf/PP/3/11/s513.pdf
_______________________________________

Anmerkung:
In den VRS-Links wurde „viewtopic“ durch „themaschau“ ersetzt, damit sie wieder funktionieren.


Zuletzt bearbeitet von Manfred Riebe am Samstag, 23. Jul. 2005 10:08, insgesamt 13mal bearbeitet
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Manfred Riebe



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Beitrag: Dienstag, 09. Nov. 2004 23:10    Titel: Ulrich Schacht verwirrt Links-Rechts-Ideologen Antworten mit Zitat

Ulrich Schacht verwirrt Links-Rechts-Ideologen

- Ulrich Schacht: Gewissen und Macht. Piper, 1992, ISBN 3492114644
- Heimo Schwilk/Ulrich Schacht (Hrsg.): Die selbstbewußte Nation. „Anschwellender Bocksgesang“ und weitere Beiträge zu einer deutschen Debatte, 2. Aufl. Berlin/Frankfurt am Main: Ullstein, 1994, 470 S.
- Ulrich Schacht: Für eine Berliner Republik. Streitschriften, Reden, Essays nach 1989. Langen/Müller, 1997, ISBN 3784426786

Ulrich Schacht: Verrat. Die Welt hat sich gedreht. Berlin: Transit Buchverlag, 144 Seiten, ISBN: 3887471679,

„Gleich vorweg: ein phantastisches Buch! Ulrich Schacht, in der damaligen DDR, genauer gesagt im Frauen-Gefängnis Hoheneck geboren, hat auf seine ganz persönliche und extrem mutige Art Widerstand geleistet und ist 1976 von Westdeutschland freigekauft worden. Sein Buch erzählt in 11 kurzen Stücken von Situationen und Begebenheiten aus seiner Biographie. Schacht ist weit davon entfernt, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen oder sich selbst zu stilisieren. Die Geschichten handeln vom alltäglichen Leben und vom Besonderen. So schildert Schacht ein privates Treffen mit einem seiner damaligen Stasi-Verhöroffiziere. Ohne Zweifel nimmt man dem Autor ab, daß das Treffen so oder ähnlich stattgefunden hat. Dabei verfällt der Autor nicht der Gefahr, sich über den nun Unterlegenen ehemaligen DDR-Mitläufer zu stellen. Vielmehr gelingt es ihm, die Vielschichtigkeit von individuellen und gleichzeitig häufig gleichgelagerten Motivlagen aufzuzeigen. Besonders hervorzuheben ist Schachts Sprache. Auf hohem Niveau, eindringlich, gelingt es dem nach Schweden Übergesiedelten, eine dichte Atmosphäre aufzubauen.

Ulrich Schachts Gedichte, Erzählungen und Essays haben die Verfechter eines starren Links-Rechts-Schemas immer verwirrt, freut sich Rezensent Hans Christoph Buch. Schacht, der in der DDR jahrelang im Gefängnis saß und später in der Bundesrepublik als Redakteur für die „Welt“ arbeitete, entziehe sich mit seinen Prosatexten jeglicher „ideologischen Schwarzweißmalerei“. An diesem Erzählband könne man es überprüfen, so Buch. Die einzelnen Texte gruppierten sich um die Fragmente eines autobiografischen Romans, der von Stasi-Spitzeln, Gefängnis und Emigration handle. Buch gefallen diese Erzählungen immer dann am besten, wenn es Schacht „vor Wut die Sprache verschlägt“, und er ganz kunstlos die Dinge beschreibt wie sie waren.“

www.bibliotheca-selecta.de/transit/programm_f.html?/transit/3887471679_r.html
___________________________________________________________________

Ulrich Schacht: Hohenecker Protokolle. Leipzig: Forum Verlag, 2004, 264 Seiten, ISBN: 3931801241

Aussagen zur Geschichte der politischen Verfolgung von Frauen in der DDR
Elf Frauen geben Erfahrungen zu Protokoll, die nichts Sensationelles an sich haben, aber gravierend genug sind, um an den Nerv der deutschen Teilungszeit zu rühren. Sie berichten mit unterschiedlichen Temperament und aus subjektiver Sicht über Erlebnisse in den Jahren 1950-1983 - an ein und demselben Ort: Hoheneck, seinerzeit das größte, unmodernste und inhumane Frauengefängnis der DDR. Die Frauen sind politische Häftlinge. Haftgrund: Selbstbestimmung. Nach dem Mauerbau haben die „Hoheneckerinnen“ eine Sehnsucht: Freikauf in die Bundesrepublik.
Ulrich Schacht ist 1951 in Hoheneck geboren. Ende der neunziger Jahre findet er seinen Vater, den ehemaligen sowjetischen Besatzungssoldaten W. J. Feodotow, in Moskau.


Zuletzt bearbeitet von Manfred Riebe am Mittwoch, 10. Nov. 2004 00:29, insgesamt 1mal bearbeitet
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Beitrag: Mittwoch, 10. Nov. 2004 00:26    Titel: Kaputtmacher und Überregler Antworten mit Zitat

Kulturrevolutionäre 68er Kaputtmacher und kultusbürokratische Überregler
______________________________________________________________________________________________

Ein lebendiger Organismus
Lehren aus dem Desaster der Rechtschreibreform

Von Günter Zehm

An ihren Urhebern sollt ihr sie erkennen. Die sogenannte „Rechtschreibreform“ hatte deren zwei, und beide meinten es nicht gut mit der deutschen Sprache. Es ging ihnen gar nicht um „Reform“, behutsames Weiterentwickeln und Angleichen bewährter, längst verinnerlichter Schreibregeln. Was sie statt dessen im Auge hatten, war einerseits Revolution, Kaputtmachen, Primitivisierung, andererseits totale Reglementierung um der Reglementierung willen, bürokratische Wichtigtuerei, feldwebelhaftes Herumkommandieren. Wüste Kaputtmacher und verbissene Steißpauker standen als Eltern an der Wiege der Rechtschreibreform, und so sah sie denn auch aus. Eine Mißgestalt von hinten bis vorn, ein lachhaftes kleines Monster - und zudem ein Wechselbalg.

Man hatte am Anfang etwas ganz anderes im Sinn gehabt, aber als man merkte, daß dieses von keiner Öffentlichkeit akzeptiert werden würde, auch von der gutwilligsten und fehlgeleitetsten nicht, schob man die jetzige Reform flugs an die Stelle der eigentlich geplanten, einzig und allein deshalb, weil man auf jeden Fall eine „Reform“ haben wollte, weil man der deutschen Schriftsprache, die man haßte und die man als „Erfindung der Oberschicht“ unablässig denunzierte, unbedingt etwas antun wollte.

Geplant gewesen und jahrelang im Ton wildester Abräumerei als „absolute Notwendigkeit“ propagiert war ein totaler Umsturz der überkommenen deutschen Rechtschreibung, die nach Meinung der damals mächtig nach oben und an die Futterkrippen strebenden 68er ein „elaborierter Code“ war, ein „Instrument des kapitalistischen Bürgertums“, mit dessen Hilfe die Unterschichten angeblich am sozialen Aufstieg gehindert und künstlich dumm gehalten werden sollten. „Vereinfachung um jeden Preis“ hieß die Parole. Eine beträchtliche Fraktion plädierte für die Abschaffung von Rechtschreibregeln überhaupt: Jeder sollte so schreiben, wie er selbst es für richtig hielt und wie ihm der Schreibschnabel gewachsen war. Die Mehrheit der Reformer aber war nicht für plane Abschaffung, sondern für - letztlich ebenso lethal wirkende - Korrekturen am Schriftbild.

Als „Mindestprogramm“ wurde gefordert: konsequente Kleinschreibung, konsequente „phonetische“ Schreibweise, radikale „Eindeutschung“ aller Fremd- und Lehnwörter, „Liberalisierung“ der Zeichensetzung, insbesondere bei Kommas, die in letzter Konsequenz völlig ins Belieben des Schreibenden gestellt und so faktisch abgeschafft werden sollten, wie übrigens auch die Semikolons. [...]

Nie wäre es den kulturrevolutionären Abräumern gelungen, ein gesellschaftliches Echo für ihre Reform zu finden, hätten sie nicht jenen ebenso einflußreichen wie hartköpfigen Verbündeten gehabt: die Kulturbürokratie, die sogenannten „Experten“ in den Kultusministerien der Länder und in der Kultusministerkonferenz. Diese Truppe hatte jahrzehntelang nur darauf gewartet, ihrerseits „reformierend“ tätig zu werden. Auch sie haßte die überkommene deutsche Schriftsprache, wenn auch nicht, weil sie sie für ein Herrschaftsinstrument der Kapitalisten hielt, sondern weil sie ihr zu „unlogisch“, zu „barock“ war.

Konrad Duden hatte ihrer Meinung nach in seinem für die moderne deutsche Rechtschreibung richtungweisend gewordenen „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von 1880 nur halbe Arbeit geleistet, war zu liberal gewesen, hatte zuviel von der überkommenen „alten deutschen Wildwüchsigkeit“ stehengelassen. Kurz gesagt: Duden hatte zu wenig von dem geregelt, was nach Ansicht der Kultusbürokraten geradezu nach Regelung schrie. Jeder Bürokrat in der Kultusministerkonferenz hielt sich letztlich für den besseren Duden, und sein Herz fing an zu jubilieren, als die kulturrevolutionären 68er endlich den Plan einer „gründlichen“ Schreibreform auf die politische Agenda hievten. So also entstand die unheilvolle Allianz aus Abräumern und Überreglern, der es durch die Ungunst der Umstände tatsächlich gelungen ist, ihre reduzierte „Reform anstelle der Reform“ von den Regierungen der deutschsprachigen Länder absegnen zu lassen.

Doch wie die meisten Wechselbälger war auch diese (Pseudo-)Reform einfach nicht lebensfähig. Nicht der von Anfang an ertönende zornige Protest faktisch sämtlicher deutscher Schriftsteller, Publizisten und Verleger hat die jetzige Rolle rückwärts ermöglicht, sondern die schnell zutage tretende Unmöglichkeit, die neuen Regeln in den Schulen, Lektoraten und Redaktionen sinnvoll anzuwenden. Statt zu klären, verunklarte die Reform, und jeder merkte es, der eine schneller, der andere langsamer. Die Texte wurden nicht lesbarer, sondern unlesbarer. Mißverständnisse nisteten sich ein, komische, letztlich unmögliche Buchstaben-Konstellationen sorgten für Kopfschütteln und Gelächter, Rechtschreibe-Diktate in den Grundschulen gerieten zur Farce.

Eines der angeblichen Hauptanliegen der „Reform“ war die „Erleichterung des Deutschlernens für Ausländer“. Aber auch dieses erwies sich als Illusion und als Rohrkrepierer. Ausländische Teilnehmer an Deutschkursen sind durch die neuen Regeln nicht weniger irritiert als inländische. Sie müssen nun gleichsam zwei Sprachen in einer lernen: einmal die nach den neuen Regeln abgefaßten aktuellen Verlautbarungen von Behörden und Zeitungen, zum anderen die großen Werke des literarischen Kanons, ohne deren Kenntnisnahme das Deutschlernen ja gar nicht möglich ist [...]

Aus: Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen. Dokumentation, EDITION JF. Berlin: Junge Freiheit Verlag, Oktober 2004, S. 11-15
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Beitrag: Mittwoch, 22. Dez. 2004 15:28    Titel: Rezension in der DSW Antworten mit Zitat

Seite 8
Sprachretter
Manfred Riebe stellt einen neuen Sammelband vor, der zahlreiche wichtige Beiträge zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen enthält. (DSW, 20.12.2004, Seite 1)

Rettet die deutsche Sprache
Dokumentation einer „Graswurzelrevolution“

Von Manfred Riebe

In einer freiheitlichen Demokratie hat die Regierung kein Recht, ohne Mandat und an den Parlamenten vorbei und überdies entgegen der wissenschaftlichen Forschung in die Sprachkultur einzugreifen und dafür Volksvermögen zu verschwenden. Der Deutsche Bundestag beschloß am 26. März 1998: „Die Sprache gehört dem Volk.“ Am 6. August dieses Jahres hatten deswegen die Axel-Springer-AG, der Spiegel-Verlag und die Süddeutsche Zeitung erklärt, wieder zur klassischen deutschen Rechtschreibung zurückkehren zu wollen. Jetzt faßt ein neuer Sammelband den derzeitigen Stand des Streits um die mißglückte Rechtschreibreform zusammen.

Das Buch mit dem Titel „Rettet die deutsche Sprache“ enthält „Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen“. Schon im Oktober 1996 hatte auf einer Titelseite des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ gestanden: „Schwachsinn Rechtschreibreform. Rettet die deutsche Sprache!“ Hat etwa der „Spiegel“ diese Dokumentation anläßlich der Frankfurter Buchmesse veröffentlicht? Nein, es war die Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF), die nie die Rechtschreibreform mitgemacht hat. „Rechtschreib-Rebell“ Friedrich Denk hatte die Zeitung im Jahr 2000 nach der Rückkehr der FAZ „zu dieser vorausschauenden und nonkonformistischen Haltung“ beglückwünscht.

Die Rechtschreibung ist die „Haut“ der Sprache, die am leichtesten verletzbar ist. Von den 21 Artikeln des JF-Sammelbandes befassen sich daher sechzehn mit der Rechtschreibreform und fünf mit Anglizismen. Eine Chronologie zu Beginn zeigt, daß der Widerstand gegen die Rechtschreibreform im Verlauf dieses Jahres immer weiter zunahm. Auch alle Dokumente im Anhang drehen sich um diesen Kampf. Deren Titel sind jedoch manchmal nur bruchstückhaft zitiert. Es fehlen auch Quellenangaben, oder diese sind ungenau.

Neben JF-Journalisten, dem Chefredakteur Dieter Stein, Thorsten Thaler und Professor Günter Zehm, kommen Reformkritiker zu Wort. Zu den herausragenden Beiträgen gehören die Interviews von Moritz Schwarz mit Professor Theodor Ickler, dem führenden Kritiker der Rechtschreibreform, Professor Christian Meier, dem damaligen Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (DASD), Ulrich Brosinsky, seit November 2002 Vorsitzender des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS), und Karin Pfeiffer-Stolz, Leiterin des Stolz-Schulbuchverlages, aber auch mit den Kämpfern gegen die Anglizismen: Professor Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache (VDS) und VDS-Vorstandsmitglied Diethold Tietz. Ein Verzeichnis der aufgeführten Sprachvereine mit deren Anschriften und Weltnetzseiten fehlt leider.

Aufklärende Artikel stammen vornehmlich von Thomas Paulwitz, Schriftleiter der DEUTSCHEN SPRACHWELT, Manfred Riebe, bis 2001 Vorsitzender des VRS, dem Schriftsteller Ulrich Schacht und dem Philosophen und Schriftsteller Baal Müller. Man vermißt aber zum Beispiel Friedrich Denk, den Initiator des Widerstandes oder den Verleger Matthias Dräger, den Mitbegründer der Bürgerinitiative „Wir gegen die Rechtschreibreform“ in Schleswig-Holstein. Ein Personenverzeichnis enthält genauere Angaben über die einzelnen Autoren.

Bis zum 6. August dieses Jahres gab es nur wenige unabhängige Zeitungen, die Widerstand leisteten, so daß Zivilcourage gefragt war. JF-Chefredakteur Dieter Stein erinnert: „Einzelne mutige Bürger kämpften seit 1996 in einer mühsam und in zähem Einsatz vorangetriebenen Graswurzelrevolution hundertfachen bürgerschaftlichen Protestes in neugeschaffenen Bürgerinitiativen und Vereinen für die Rettung der bewährten Schriftsprache. Wohlgemerkt ohne einen Pfennig staatlicher Mittel, anfangs höhnisch belächelt und von den Medien totgeschwiegen sammelten sich Tausende Bürger und unterminierten in einem unvorstellbaren Kraftakt die Einheitsfront der Reformbefürworter.“

Thomas Paulwitz zeigt in einem Artikel die Parallelen zur Rechtschreibreform des Dritten Reiches, auf die man nach 1945 zurückgriff. Er berichtet über die unselige Rolle des Instituts für deutsche Sprache und der Gesellschaft für deutsche Sprache als Betreiber der Reform und wie sich der Widerstand formierte: So protestierte der Verleger Matthias Dräger bereits im Herbst 1995, der Deutschlehrer Friedrich Denk folgte im Oktober 1996 mit der „Frankfurter Erklärung“. Es entstanden zahlreiche Bürgerinitiativen, darunter die Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform“, aus der am 31. Mai 1997 der VRS als außerparlamentarische Opposition hervorging. Paulwitz: „Der Widerstand gegen die Rechtschreibreform ist ungebrochen. Am Ende siegt die Vernunft.“

Paulwitz bringt in dem Artikel „Die Identität wahren“ das Problem der Anglizismen mit dem der Rechtschreibreform in Zusammenhang. Er spricht darin ein Kernproblem an: „Eine einheitliche und verständliche Rechtschreibung wiederherzustellen gehört genauso zum Widerstand gegen die Aufspaltung der Sprache wie das Streben nach einer deutschen und deutlichen Sprache.“ Es gehe nicht darum, die Rechtschreibreformgegner gegen die Denglischbekämpfer auszuspielen. Der VDS klammert die Rechtschreibreform jedoch als unwichtigen „Nebenkriegsschauplatz“ (Diethold Tietz) aus.

Mit der Dokumentation „Rettet die deutsche Sprache“ setzt die JF nun erstmals all jenen Bürgern ein Denkmal, die immer wieder mutig, engagiert und beharrlich für die freiheitliche Demokratie und die einheitliche deutsche Orthographie eintraten und gegen den Machtmißbrauch durch die Kultusminister und andere Parteipolitiker protestierten und weiterhin zur Rücknahme der Schlechtschreibreform aufrufen. Der Sammelband ist ein schönes Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk in traditioneller Orthographie.

Manfred Riebe ist Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V. und heute dessen Pressesprecher. www.vrs-ev.de.

Dieter Stein (Hrsg.), Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen, Edition JF – Dokumentation, Band 9, Berlin 2004, 192 Seiten, Tb., 10,90 Euro.

DEUTSCHE SPRACHWELT, Ausgabe 18, 20. Dezember 2004, Seite 8

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Netzverweise:

Erwähnte Sachthemen

* Rechtschreibreform und Nationalsozialismus - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=793#793
* Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=394#394
* Chronologie zur Rücknahme der Rechtschreibreform - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=965#965
* Die Front gegen die Schlechtschreibreform wächst - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=1090#1090
* SPIEGEL-Verlag und Axel Springer AG kehren zur klassischen Rechtschreibung zurück - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=1768#1768
* Rückkehr zur ursprünglichen Schreibung bei Springer AG - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=1766#1766
* Thomas Paulwitz: Die Identität wahren - Zunehmend wird die deutsche Sprache durch Anglizismen entstellt - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2671#2671
* Dieter Stein: Der große Schiffbruch - Das Scheitern der Rechtschreibreform als Symbol der deutschen Krise - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2673#2673

Zitierte Sprachpflegevereinigungen

* Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (DASD)- http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Akademie_f%C3%BCr_Sprache_und_Dichtung
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=902#902
* Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform“ - http://www.raytec.de/rechtschreibreform/
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=4105#4105
http://de.wikipedia.org/wiki/Initiative_Wir_Lehrer_gegen_die_Rechtschreibreform [durch politische Zensur Nachgeborener verschlimmbessert, MR]
* Verein Deutsche Sprache (VDS) - http://de.wikipedia.org/wiki/Verein_Deutsche_Sprache
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?t=301
* Verein für Sprachpflege (VfS) - http://de.wikipedia.org/wiki/Verein_f%C3%BCr_Sprachpflege
* DEUTSCHE SPRACHWELT - http://www.deutsche-sprachwelt.de
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=287#287
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachwelt
* Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) -
http://de.wikipedia.org/wiki/Verein_f%C3%BCr_deutsche_Rechtschreibung_und_Sprachpflege
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=3251#3251

Zitierte Sprachpfleger

* Ulrich Brosinsky (VRS) - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=1626#1626
* Friedrich Denk - http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Denk
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=3212#3212
* Matthias Dräger - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2821#2821
* Theodor Ickler - http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Ickler
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?t=706
* Walter Krämer (VDS) - http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kr%C3%A4mer
* Christian Meier (DASD) - http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Meier
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2780#2780
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=3085#3085
* Thomas Paulwitz (VRS/DSW) - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=4280#4280
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=287#287
* Karin Pfeiffer-Stolz - http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=3373#3373
* Manfred Riebe (VRS) - http://en.wikipedia.org/wiki/User:Manfred_Riebe
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=3263#3263
* Ulrich Schacht - http://www.netzwelt.de/lexikon/Liste_deutschsprachiger_Schriftsteller/S.html#Sc_-_Scha
* Dieter Stein (JF) - http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Stein
* Diethold Tietz (VDS) - http://vds-ev.de/verein/aktive/index.php]
* Günter Zehm (JF) - http://www.swg-hamburg.de/Aktuell/Ein_Jubilaum_kommt_selten_alle/body_ein_jubilaum_kommt_selten_alle.html
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2639#2639


Zuletzt bearbeitet von Manfred Riebe am Samstag, 05. Nov. 2005 17:47, insgesamt 24mal bearbeitet
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Manfred Riebe



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Beitrag: Sonntag, 02. Jan. 2005 15:13    Titel: Zum Erscheinen der Edition JF: „Rettet die deutsche Sprache“ Antworten mit Zitat

Zum Erscheinen der JF-Edition: „Rettet die deutsche Sprache“
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JF intern
Das Buch zur Messe


Seit über fünf Jahren steht im Impressum dieser Zeitung ein Hinweis, der in der deutschen Presselandschaft ohne Beispiel ist: „Die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT hält sich an die traditionelle deutsche Rechtschreibung, wie sie bis zum 1. August 1999 gültig war.“ [Hervorhebung, MR] Damals hatten im Gefolge der Nachrichtenagenturen praktisch alle Zeitungen und Zeitschriften auf die neuen Schreibweisen und Regeln umgestellt. Als einzige überregionale Zeitung verweigerte sich nur die JF von Beginn an der mißglückten Reform.

Mit einer Vielzahl von Beiträgen und Interviews haben wir seither die Kontroverse um die Reform begleitet. Die wichtigsten Texte gegen die Rechtschreibreform (und zu unserem Kampf gegen Anglizismen) erscheinen jetzt noch einmal in Buchform unter dem Titel „Rettet die deutsche Sprache“. [Hervorhebung, MR] Der Sammelband enthält unter anderem Beiträge von Günter Zehm, Thomas Paulwitz, Dieter Stein, Baal Müller und Ulrich Schacht sowie Interviews mit den Sprachschützern Theodor Ickler, Christian Meier und Walter Krämer. Das Buch erscheint in der Reihe „dokumentation“ der Edition JF pünktlich zur Frankfurter Buchmesse Anfang Oktober. Es hat einen Umfang von 192 Seiten und kostet 10,90 Euro. Vorbestellungen nimmt ab sofort der JF-Buchdienst entgegen. Thorsten Thaler

JUNGE FREIHEIT Nr. 40/04 24. September 2004
www.jf-archiv.de/online-archiv/
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JF intern
Bücher, Leser, Kekse


Anstrengend war's, aber es hat sich gelohnt! Als am Montag morgen um ein Uhr früh die letzten JF-Redakteure nach fünf Tagen Messe-Marathon in Frankfurt zu Hause in Berlin ankamen, waren alle fix und fertig. Nach dem Redaktionsstreß bis Mitternacht am Dienstag zuvor hieß es am Mittwoch früh raus und auf zur Buchmesse. Tagelang am Stand der JF in der schicken neuen Messehalle 3 stehen, werben und plaudern mit Lesern, Interessenten, Redakteuren und Presseleuten anderer Zeitungen und Verlage - die Frankfurter Buchmesse ist eben die Gelegenheit zur persönlichen Kontaktaufnahme. Keine Zeit für Schonung! Und auch die typische Messe-Ernährung zehrt an den Kräften: Fruchtsaft, Kaffee und Kekse. Zwischendurch ab und zu auch ein wenig schmökern in den Neuerscheinungen anderer Verlage. Wir selbst präsentierten stolz die beiden jüngsten Bände in der Edition JF: „Rettet die deutsche Sprache“ und vor allem „Geist der Freiheit. Der 20. Juli“. Vor allem letzterer stieß immer wieder auf großes Interesse bei Besuchern unseres Standes - zumal bei zwei Nachfahren von Angehörigen des 20. Juli 1944, die zufällig unseren Stand passierten und sich gleich eine größere Anzahl Exemplare nach Hause bestellten. Das bestärkt, und deshalb sehen wir uns nächstes Jahr mit neuen Büchern in Frankfurt wieder.

Die Redaktion

JUNGE FREIHEIT Nr. 43/04 15. Oktober 2004
www.jf-archiv.de/online-archiv/
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Beitrag: Mittwoch, 05. Jan. 2005 20:13    Titel: Die Hälfte der Zeitungen in traditioneller Orthographie[ Antworten mit Zitat

Die Hälfte der Zeitungen in traditioneller Orthographie
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Rechtschreibreform
Das perfekte Chaos

Dieter Stein

Das Tauziehen um die deutsche Rechtschreibung geht in die nächste Runde. In der vergangenen Woche haben die deutschen Länderchefs auf einer Konferenz der Ministerpräsidenten die verbindliche Einführung der reformierten Rechtschreibung ab 1. August 2005 beschlossen. Zusatz: Sofern ein neu eingesetzter „Rat für deutsche Rechtschreibung“ zu einer Einigung über Änderungen der reformierten Rechtschreibung kommt.

Damit sieht es momentan ganz danach aus, daß die von der Bürokratie erzwungene Neuschreibung im vom Staat kontrollierten Raum nicht mehr aufzuhalten ist. Den Reformgegnern Mut gemacht hatte im Sommer die Ankündigung des Springer-Verlages, des Spiegel und der Süddeutschen Zeitung, auf eigene Faust zur bewährten Rechtschreibung zurückzukehren. Wahr gemacht haben dies seit dem 3. Oktober tatsächlich nur die Blätter des Springer-Verlages. Still und heimlich ist indessen die Süddeutsche zurückgerudert, die von einer Rückkehr plötzlich nichts mehr wissen will. Am chaotischsten und für die Leser des „Sturmgeschützes der Demokratie“ (der Spiegel über den Spiegel) am verlogensten verhält sich das Hamburger Nachrichtenmagazin: Von einer Wiedereinführung der bewährten Rechtschreibung ist auf einmal keine Rede mehr. Statt dessen heißt es nun in verquastem Politikerdeutsch, das Blatt werde „sein weiteres Vorgehen“ in dieser Sache „von der Besetzung des Gremiums (des Rates für deutsche Rechtschreibung) sowie vom Verlauf und dem Ergebnis der Beratungen“ abhängig zu machen. Auf gut deutsch: Der Spiegel hat im August lauthals zum Angriff auf die Rechtschreibreform geblasen, losgerannt sind aber nur die Springer-Zeitungen, während Aust & Co. es sich in der Etappe wieder gemütlich machen und „April, April!“ rufen.

Das Chaos ist damit perfekt. Annähernd die Hälfte der Zeitungen erscheint nun in der alten, die andere Hälfte in der neuen Rechtschreibung. [Hervorhebung, MR] Die Karawane der Bürokraten trottet eselsgleich weiter und exekutiert den Schwachsinn der von weltfremden Kulturtechnokraten ausgebrüteten Schreibreform.

Deutschland blamiert sich damit bis auf die Knochen. Ein solches Desaster kann nur eine politische Klasse anrichten, der sämtliche Zielmarken abhanden gekommen sind, die dieses Volk groß gemacht haben. Daß Deutschland - ob bei Pisa oder wirtschaftlich - ins Hintertreffen gerät, hat auch etwas mit der grassierenden Bequemlichkeit zu tun, dem Versagen, zu Anstrengung und Leistung herauszufordern. Die komplexe, facettenreiche deutsche Sprache hat das Land nicht von ungefähr zu dem der „Dichter und Denker“ gemacht. Diese Sprache zu erlernen, ist mit Anstrengung verbunden. Wenn wir diese nicht mehr aufzubringen bereit sind, dann haben wir den Abstieg verdient.

Die JUNGE FREIHEIT wird an der bewährten Rechtschreibung festhalten - egal, ob es einen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ gibt oder nicht und egal, was dieser oder die Kultusministerkonferenz beschließt. Die Sprache gehört dem Volk und nicht einer unfähigen Regierung.

JUNGE FREIHEIT Nr. 43/04, 15. Oktober 2004, S. 1
www.jf-archiv.de/archiv04/434yy02.htm
____________________________________________

Anmerkungen:

Am 1. August 1999 hatten sich schon über 300 Zeitungen und Zeitschriften geweigert, sich von den Nachrichtenagenturen auf den Neuschrieb gleichschalten zu lassen: www.gutes-deutsch.de -. Seitdem aber der Springer-Konzern im Oktober 2004 auf die herkömmliche Orthographie rückumstellte, erscheint nun annähernd die Hälfte der Zeitungen und Zeitschriften in der traditionellen Rechtschreibung.
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Manfred Riebe



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Beitrag: Samstag, 23. Jul. 2005 10:34    Titel: „Junge Freiheit” vor Verfassungsgericht erfolgreich Antworten mit Zitat

„Junge Freiheit” vor Verfassungsgericht erfolgreich - Pressestimmen

Pressemitteilung:

Berlin, den 28. Juni 2005

Sieg für die Pressefreiheit ­- Bundesverfassungsgericht gibt Klage der JUNGEN FREIHEIT recht

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat in einer heute veröffentlichten Entscheidung der Verfassungsbeschwerde der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT gegen den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen stattgegeben.

Die Richter des ersten Senats des BVG hoben damit die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts (VG) Düsseldorf und des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster mit der Begründung auf, daß mit der Erwähnung der JUNGE FREIHEIT im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW die Grundrechte der Pressefreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) verletzt werden.

Die JUNGE FREIHEIT hatte seit 1996 gegen die anhaltende diskriminierende Erwähnung in den NRW-Verfassungsschutzberichten wegen angeblicher „tatsächlicher Anhaltspunkte für den Verdacht auf rechtsextremistische Bestrebungen” geklagt. Damit hat das Bundesverfassungsgericht einen seit nunmehr neun Jahren andauernden Rechtsstreit entschieden.

Der Chefredakteur und Geschäftsführer der JUNGEN FREIHEIT, Dieter Stein, sagte dazu in einer ersten Stellungnahme: „Die Karlsruher Entscheidung ist nicht nur ein Riesensieg für die JUNGE FREIHEIT. Sie ist vor allem ein Sieg für die Pressefreiheit insgesamt in Deutschland. Dem Staat, hier dem Verfassungsschutz, werden enge Grenzen gezogen, unabhängige Medien durch bloße "Verdachtsberichterstattung” in den Verfassungsschutzberichten unter Druck zu setzen.” An die neue Landesregierung in Düsseldorf gewandt, forderte Stein, das klare Urteil aus Karlsruhe jetzt dazu zu verwenden, die andauernde Diskriminierung der JUNGEN FREIHEIT durch die Verfassungsschutzbehörden des Landes endlich zu stoppen.

Die JUNGE FREIHEIT erklärte ferner, daß durch die Juristen des Verlages geprüft werde, das Land Nordrhein-Westfalen auf Schadensersatz zu verklagen. Im Laufe der Jahre ist der Zeitung durch die rufschädigende Erwähnung im NRW-Verfassungsschutzbericht ein Sachschaden in mehrstelliger Millionenhöhe entstanden.

Link zum Bundesverfassungsgericht
http://www.bundesverfassungsgericht.de/cgi-bin/link.pl?presse

V.i.S.d.P.: Thorsten Thaler, Chef vom Dienst, Hohenzollerndamm 27a, 10713 Berlin
http://www.jf-archiv.de/archiv05/200526062467.htm

Pressefreiheit
„Junge Freiheit” vor Bundesverfassungsgericht erfolgreich

28. Juni 2005 Die rechtsgerichtete Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit” (JF) hat mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die seit rund zehn Jahren andauernde Beobachtung durch den Verfassungsschutz einen Erfolg erzielt.

Das Bundesverfassungsgericht hob Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Düsseldorf und des Oberverwaltungsgerichts Münster auf, welche die Aufnahme des Blattes in den Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen gebilligt hatten. Dadurch werde die „Junge Freiheit” in ihrem Grundrecht auf Pressefreiheit verletzt, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Beschluß.
[...]
AZ: 1 BvR 1072/01 - Beschluß vom 24. Mai 2005
FAZ vom 28. Juni 2005

Verfassungsgericht gibt „Junge Freiheit“ Recht

Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ darf nicht als „rechtsextremistisch“ eingestuft und vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Dies verstoße gegen die Pressefreiheit, so lautet der heutige Beschluss des Bundesverfassungsgerichts.

SPIEGEL ONLINE - 28. Juni 2005, 12:59
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,362682,00.html

Pressefreiheit
Rechts-Blatt „Junge Freiheit“ siegt vor dem Bundesverfassungsgericht

Die Zeitschrift hatte dagegen geklagt, dass sie im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht erwähnt worden war. Das höchste deutsche Gericht hat den Fall an das Verwaltungsgericht Düsseldorf zurückgewiesen.
28.06.2005 15:35 Uhr
http://www.sueddeutsche.de/,polm2/deutschland/artikel/732/55677/


Pressefreiheit gilt auch für Rechtsextreme

Die nationale Postille „Junge Freiheit“ siegt vor dem Bundesverfassungsgericht: Über die Aufnahme des Blatts in verschiedene Verfassungsschutzberichte muss nun neu entschieden werden. Die Richter werten Erwähnung als Eingriff in Grundrechte

AUS KARLSRUHE

CHRISTIAN RATH

„Typisch für die Junge Freiheit ist das geschickte Agieren in einem Grenzbereich von demokratischem Konservativismus, Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus“ - so heißt es im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen von 2004. Auch die VS-Berichte vieler anderer Bundesländer und des Bundes listen die rechtsintellektuelle Wochenzeitung im Kapitel „Rechtsextremismus“ auf.

Gegen diese Praxis hat die Zeitschrift jetzt einen spektakulären Erfolg erzielt. Gestern gab das Bundesverfassungsgericht bekannt, dass über die Aufnahme der Postille in den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht der Jahre 1994 und 1995 neu entschieden werden muss. Die Junge Freiheit klagt in einem Musterverfahren schon seit Jahren und hatte bisher in allen Instanzen verloren.

Von grundsätzlicher Bedeutung - auch für linke Projekte - ist die Annahme der Verfassungsrichter, dass bereits die bloße Aufnahme in einen Verfassungsschutzbericht einen Eingriff in Grundrechte darstelle. Bisher hatte Karlsruhe dies verneint. Bei einer Zeitung stelle die Erwähnung einen Eingriff in die Pressefreiheit dar, weil sie die Einwerbung von Anzeigen, Abonnements und journalistischen Beiträgen erschwere.

Verboten ist die Erwähnung der Jungen Freiheit damit nicht - allerdings betonen die Richter, dass der Eingriff verhältnismäßig sein muss. Daran zweifeln sie, weil manche der 1994/95 beanstandeten Artikel gar nicht von der Redaktion, sondern von Gastautoren stammten. Ein Beitrag, der dazu diente, die ausländerfeindliche Tendenz der Zeitung zu belegen, war sogar nur ein Leserbrief.
[...]

taz Nr. 7702 vom 29.6.2005, Seite 6
http://www.taz.de/pt/2005/06/29/a0104.nf/text

Rechts-Blatt „Junge Freiheit“ klagt erfolgreich in Karlsruhe

Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ hat sich erfolgreich mit einer Verfassungsbeschwerde gegen ihre Erwähnung im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht gewandt. Das Bundesverfassungsgericht sieht dadurch die Pressefreiheit verletzt (Az: 1 BvR 1072/01). Nun muß das Verwaltungsgericht Düsseldorf erneut prüfen, ob tatsächlich ausreichende Anhaltspunkte für einen Verdacht rechtsextremistischer verfassungsfeindlicher Bestrebungen vorliegen.

„Die bloße Kritik an Verfassungswerten reicht nicht aus“, betonten die Richter. Die Meinungs- und Pressefreiheit lasse auch eine kritische Auseinandersetzung mit Verfassungsgrundsätzen zu. Vor allem müsse erneut bewertet werden, ob verfassungsfeindliche Positionen in Artikeln externer Autoren der Redaktion und dem Verlag zugerechnet werden könnten.

Der NRW-Verfassungsschutz hält die Erwähnung der Zeitung weiterhin für gerechtfertigt. Leiter Hartwig Möller sagte, die Behörde werde „eindeutig belegen“, daß die verfassungsfeindlichen Positionen externer Autoren der „Jungen Freiheit“ zuzurechnen seien. Die Zeitung gehöre zu den wichtigsten Publikationen der „Neuen Rechten“. epd

DIE WELT vom 29. Juni 2005
http://www.welt.de/data/2005/06/29/738560.html


Zuletzt bearbeitet von Manfred Riebe am Montag, 25. Jul. 2005 19:30, insgesamt 4mal bearbeitet
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Beitrag: Samstag, 23. Jul. 2005 11:29    Titel: Sieg für die Pressefreiheit Antworten mit Zitat

Sieg für die Pressefreiheit
Bundesverfassungsgericht gibt Beschwerde der JF recht!

Die Nachricht war ein Paukenschlag. An diesem Dienstag verkündete das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seine Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde dieser Zeitung gegen das Land Nordrhein-Westfalen. Kurz und bündig titelt die Pressemitteilung des höchsten deutschen Gerichtes: „Erfolgreiche Verfassungsbeschwerde gegen Aufnahme in Verfassungsschutzbericht“.

Die bereits am 24. Mai gefällte, aber erst jetzt der Öffentlichkeit vorgestellte Entscheidung des Ersten Senates unter Leitung des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, ist eine schallende Ohrfeige für das NRW-Innenministerium, das seit 1995, also zehn Jahren, die JUNGE FREIHEIT in verfassungswidriger Weise durch Erwähnung im Verfassungsschutzbericht politisch schwer diskriminiert. Eine Ohrfeige letztlich auch für eine politisch-mediale Klasse, die sich zum unkritischen Handlanger des staatlichen Mißbrauchs des Verfassungsschutzes gemacht hat und immer noch macht.

Rückblende: Am 13. April 1995 berichtet der Spiegel exklusiv, der NRW-Innenminister habe die „Beobachtung“ der JUNGEN FREIHEIT angeordnet. Im Mai 1995 legt dann Nordrhein-Westfalen den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 1994 vor, in dem erstmals der Vorwurf erhoben wird, es lägen „tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht auf rechtsextremistische Bestrebungen“ bei dieser Zeitung vor.

Seitdem hat es das dortige Innenministerium zwar nicht vermocht, diesen Verdacht zu erhärten, die alleinige „Erwähnung“ im Verfassungsschutzbericht, der in der modernen deutschen Demokratie in seiner ächtenden Wirkung dem Pranger des Mittelalters gleichkommt, hat ihr Ziel erreicht, die Folgen für ein unabhängiges Medium sind verheerend.

Gebetsmühlenartig wiederholen viele Medien in immer wiederkehrenden Pressekampagnen die Stereotype, die JUNGE FREIHEIT sei so „umstritten“, so „besorgniserregend“, so „gefährlich“, weil sie „vom Verfassungsschutz NRW“ wahlweise „beobachtet“, „erwähnt“ oder „eingeordnet“ werde.

Scharenweise sind im Laufe dieser Jahre prominente Interviewpartner abgesprungen, weil diese staatliche Warnung aus Düsseldorf existierte. Autoren zogen Beiträge zurück, Abonnenten schreckten vor dem Bezug der Zeitung zurück, aus Sorge, der Nachbar oder Arbeitgeber könne womöglich mitbekommen, daß man eine von dieser unfehlbaren staatlichen moralischen Instanz namens NRW-Verfassungsschutz als des Extremismus „verdächtigte“ Publikation beziehe. Erst in den letzten Monaten sahen sich namhafte JF-Interviewpartner wie die SPD-Politiker Egon Bahr, Peter Glotz oder der ehemalige Verfassungsrichter Ernst Gottfried Mahrenholz unter Berufung auf die Verdächtigungen aus NRW aberwitzigen Vorwürfen ausgesetzt, nur weil sie mit der JF gesprochen hatten!

Nach anfänglichem Zögern und trotz ohnehin größter Sorgen in der Phase des Wochenzeitungsstartes entschloß sich die JF, als kleiner Verlag gegen das 17-Millionen-Einwohner-Land Nordrhein-Westfalen zu klagen. Am 9. August 1996 reichten wir Klage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf ein. Das Gericht soll dem Land die weitere Verleumdung der Zeitung untersagen, sowie es dazu verurteilen, es zu unterlassen, die JUNGE FREIHEIT in Zusammenhang mit extremistischen Bestrebungen zu bringen.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf fällte am 14. Februar 1997 ein Urteil, das NRW in seiner Haltung bestätigte. Das Urteil war insofern aber interessant, weil dort festgehalten wurde, daß das Land die JF ausdrücklich nicht als „rechtsextremistisch“ einordne, sondern lediglich „tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht auf rechtsextremistische Bestrebungen“ artikuliere. Ein gravierender Unterschied, den 90 Prozent der Journalisten borniert ignorierten und - von Presserechtsentscheidungen gedeckt - stets verkürzend behaupteten, die JF werde vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextrem im Sinne einer endgültigen Feststellung eingeordnet.

Der von der JF am 17. April 1997 gestellte Antrag auf Berufung gegen das Urteil des VG Düsseldorf wurde nach geschlagenen vier Jahren am 22. Mai 2001, abgelehnt. Während dieser Phase faktischer Prozeßverschleppung trafen die Folgen der Diskriminierung die JF gleich serienweise. Einer der Höhepunkte war die Kündigung des Hauptgeschäftskontos der JF durch die Deutsche Postbank am 5. Januar 2001. Die Postbank begründete ihre Kündigung im Rahmen des von der Bundesregierung angezettelten „Kampfes gegen Rechts“ ausdrücklich mit der Erwähnung der JF im NRW-Verfassungsschutzbericht! Erst nachdem ein „Appell für die Pressefreiheit“ mit zahlreichen Prominenten, an der Spitze Focus-Herausgeber Helmut Markwort, die Postbank zur Rücknahme der Kündigung aufforderte, nahm die Bank ihre Entscheidung zurück.

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes bedeutet einen riesigen Triumph nicht nur für die JUNGE FREIHEIT, sondern für die Pressefreiheit insgesamt in Deutschland. Die Machtarroganz des NRW-Verfassungsschutzes, der als verfassungswidriges Kampfinstrument der 39 Jahre lang regierenden SPD mißbraucht worden ist, stellt nur die Spitze des Eisberges einer die demokratische freiheitliche Gesellschaft in unverschämter und unerträglicher Weise domestizierende Political Correctness dar. Karlsruhe hat hier einen bitter notwendigen Warnschuß abgegeben.
DIETER STEIN

Das vollständige Urteil des Bundesverfassungsgerichtes finden Sie auf Seite 4-5.

JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. Nr. 27/05 vom 1. Juli 2005, Seite 1
http://www.jf-archiv.de/archiv05/200527070101.htm
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Dokumentation: aus der Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichtes
Erfolgreiche Verfassungsbeschwerde gegen NRW

Die Beschwerdeführerin (Bf) ist Verlegerin und Herausgeberin der Wochenzeitung „JUNGE FREIHEIT“. Ihre Verfassungsbeschwerde (Vb), mit der sie sich gegen die Aufnahme ihrer Wochenzeitung in die Verfassungsschutzberichte des Landes Nordrhein-Westfalen der Jahre 1994 und 1995 wandte, war erfolgreich. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hob die angegriffenen Entscheidungen des Verwaltungsgerichts (VG) und Oberverwaltungsgerichts (OVG) auf, da sie die Beschwerdeführerin (Bf) in ihrem Grundrecht auf Pressefreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) verletzen. Die Sache wurde an das VG zurückverwiesen. Dieses hat unter Berücksichtigung der vom Senat dargestellten verfassungsrechtlichen Anforderungen erneut zu prüfen, ob die tatsächlichen Anhaltspunkte für einen Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen der Bf ausreichen. Insbesondere ist erneut zu bewerten, ob der Bf die in Artikeln Dritter, die nicht der Redaktion angehören, veröffentlichten verfassungsfeindlichen Positionen zugerechnet werden können. (...)

Der Entscheidung liegen im wesentlichen folgende Erwägungen zugrunde:

1. Die Nennung der Wochenzeitung der Bf im Verfassungsschutzbericht berührt das Grundrecht der Pressefreiheit. Durch die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht wird die Bf zwar nicht gehindert, die Zeitung weiter zu vertreiben und auch zukünftig Artikel wie die beanstandeten abzudrucken. Ihre Wirkungsmöglichkeiten werden jedoch nachteilig beeinflußt. Potentielle Leser können davon abgehalten werden, die Zeitung zu erwerben, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß etwa Inserenten, Journalisten oder Leserbriefschreiber die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht zum Anlaß nehmen, sich von der Zeitung abzuwenden oder sie zu boykottieren. Dies kommt einem Eingriff in die Pressefreiheit gleich.

2. Ein Eingriff in die Pressefreiheit bedarf der Rechtfertigung durch ein allgemeines Gesetz (Art. 5 Abs. 2 GG). Ein solches Gesetz ist § 15 Abs. 2 VSG NRW. Bei der Nutzung der Ermächtigung des § 15 Abs. 2 VSG NRW zur Veröffentlichung von Informationen im Verfassungsschutzbericht ist der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz zu beachten. Um den Verdacht einer verfassungsfeindlichen Bestrebung zu bejahen oder die negative Sanktion einer Veröffentlichung im Verfassungsschutzbericht zu ergreifen, müssen hinreichend gewichtige tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen. Die bloße Kritik an Verfassungswerten reicht nicht aus. Denn die Meinungs- und Pressefreiheit läßt auch eine kritische Auseinandersetzung mit Verfassungsgrundsätzen zu. (...)

3. Die Begründung der Fachgerichte, warum die zum Beleg herangezogenen Artikel Ausdruck der verfassungsfeindlichen Bestrebungen von Verlag und Redaktion und nicht nur ihrer Autoren sein sollen, genügt nicht den verfassungsrechtlichen Anforderungen. Die Gerichte sind irrig davon ausgegangen, die JUNGE FREIHEIT könne allein deshalb nicht als „Markt der Meinungen“ verstanden werden, weil sie nur für ein bestimmtes politisches Spektrum offenstehe. Von der Pressefreiheit ist auch die Entscheidung erfaßt, ein Forum nur für ein bestimmtes politisches Spektrum zu bieten, dort aber den Autoren große Freiräume zu gewähren und sich in der Folge nicht mit allen einzelnen Veröffentlichungen zu identifizieren. (...)

Ferner haben sie zu prüfen, ob die Art der Veröffentlichung den Anforderungen des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes entsprach. Obwohl die Behörde nur von Anhaltspunkten für einen Verdacht ausgegangen ist, hat sie die Bf ohne jede Differenzierung in der Gliederung oder in den Überschriften des Berichts auf die gleiche Stufe gestellt wie Gruppen, für die sie verfassungsfeindliche Bestrebungen festgestellt hat. (...)

Bundesverfassungsgericht - Pressestelle -
Pressemitteilung Nr. 57/2005 vom 28. Juni 2005
Zum Beschluß vom 24. Mai 2005 - Az1 BvR 1072/01 -

JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. Nr. 27/05 vom 1. Juli 2005, Seite 1
http://www.jf-archiv.de/archiv05/200527070102.htm
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Das Buch des Monats

Dieter Stein: Phantom „Neue Rechte“ - Die Geschichte eines politischen Begriffs und sein Mißbrauch durch den Verfassungsschutz. Berlin: EDITION JF, Reihe dokumentation 10, 2005, 192 S., Pb, EUR 10,90 / Bestell.-Nr. 88573

Im Visier des Verfassungsschutzes
Wie Demokraten zu Extremisten gestempelt werden

Der Staatsrechtler Helmut Quaritsch beschrieb einmal sehr treffend die Bedeutung von Begriffsprägungen, die im Meinungskampf quasi kriegsentscheidend sein können: „Im Kampf der Geister ist die Besetzung eines Begriffs so wichtig wie im Kriege die Eroberung einer Festung.“

Der Begriff einer angeblich existierenden extremistischen „Neuen Rechten“ ist eine solche „Festung“, mit der - so erträumen es sich zumindest die zweifelhaften Strategen des NRW-Verfassungsschutzes - das bürgerliche, konservative Lager, kurz: die eine Hälfte des demokratischen Spektrums, in Schach gehalten werden kann. - Dieter Stein

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Manfred Riebe



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Beitrag: Sonntag, 11. Sep. 2005 09:31    Titel: „Die Sprache gehört dem Volk“ Antworten mit Zitat

„Die Sprache gehört dem Volk“
Deutsche Sprache: Manfred Riebe über die Rechtschreibreform
und den Streit unter Sprachschützern


In Deutschland widmen sich diverse Vereine und Gesellschaften der Pflege der deutschen Sprache. Während allerdings die einen auf ihr nur liebevoll das genießende Auge ruhen lassen, ziehen andere mit Feuer und Schwert für sie in die Schlacht.

Zu den Anhörungen der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission am 23. Januar 1998 in Mannheim und des Bundesverfassungsgerichts am 12. Mai 1998 in Karlsruhe wurde als einer der beiden Rechtschreibreformgegner, neben der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“, auch der im Mai 1997 ins Leben gerufene „Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege“ (VRS) eingeladen.

Erst unlängst erhob der Vorsitzende des Vereins, Manfred Riebe, gegenüber der JUNGEN FREIHEIT schwere Vorwürfe gegen die anderen Sprachpflegevereine.

Die Rechtschreibreform ist längst in Kraft, wie wollen Sie eine Rücknahme erreichen?

Riebe: Es gibt keine „amtlichen Rechtschreibregeln“ für alle Bürger, sondern nur für die Schulen. Aber auch dort gilt bis 2005 weiterhin die traditionelle Rechtschreibung als richtig. Die „Rechtschreibreform“ ist keineswegs eine beschlossene Sache; denn über die Ausgestaltung des Inhalts der Schulrechtschreibreform wird immer noch heftig gestritten. Ferner machen die Gerichte den Erfolg oder Nichterfolg der Reform von deren Akzeptanz durch die Bevölkerung abhängig. Der Deutsche Bundestag faßte im übrigen aufgrund vieler Petitionen – auch aus unseren Reihen – im März 1998 den Beschluß: „Die Sprache gehört dem Volk.“ Der amtierende und auch alle ehemaligen Bundespräsidenten weigern sich auch, den Neuschrieb privat anzuwenden. Und etwa achtzig Prozent der Bürger wollen ebenso auch über das Jahr 2005 hinaus an der bisherigen Einheitsrechtschreibung festhalten.

Was hat der VRS bisher konkret gegen die Rechtschreibreform unternommen?

Riebe: Wir leisten intensive Aufklärungs-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit durch Leserbriefe, Zeitungsartikel, Anzeigen oder Aktionen, wie etwa der Flugblattaktion „Rote Karte für die Kultusminister“ zur Unterstützung der Volksbegehren in Schleswig-Holstein und Berlin. Außerdem verbreiten wir Schriften von Mitgliedern und Fachleuten gegen die Rechtschreibreform. Durch unser Engagement wurde der VRS sowohl von der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission wie vom Bundesverfassungsgericht als Vertreter der Rechtschreibreformgegner zu Anhörungen eingeladen.

Welche Rolle spielt für den VRS der Kampf gegen die die deutsche Sprache explosionsartig durchsetzenden Anglizismen?

Riebe: Die gehäufte Verwendung von Anglizismen ist ein Ärgernis. Deshalb vertreiben wir auch das Büchlein „Engleutsch? Nein danke!“ Der VRS ist aber kein „Ein-Punkt-Verein“. Wir beschäftigen uns nicht nur mit der Sprachverhunzung durch die verhängnisvolle Rechtschreibreform, sondern auch mit dem übermäßigen Gebrauch von Fremdwörtern und anderen Sprachverschluderungen. Um auf alle Gefahren künftig angemessen aufmerksam machen zu können, haben wir mitgeholfen, die Sprachzeitung Deutsche Sprachwelt – Gemeinsam erhalten und gestalten aus der Taufe zu heben. Die Deutsche Sprachwelt wird jährlich einen Sprachpreis verleihen. Im Gegensatz zum „Sprachpanscher“-Negativ-Preis des VDS setzen wir auf einen „Sprachwahrer“-Positiv-Preis für Leute, die sich um die Wahrung unserer Sprache besonders verdient gemacht haben. Wir wollen weder populistisch noch puristisch übertreiben und Sprachverhunzer nicht als „Sprachpanscher“ verunglimpfen, sondern weiterhin geduldige Aufklärungsarbeit leisten.

Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) oder den „Verein Deutsche Sprache“ (VDS), vormals „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“ (VWDS). Was werfen Sie diesen vor?

Riebe: Der VDS hat sich auf die Bekämpfung von Anglizismen spezialisiert. Gleichzeitig fördert er aber in seinen Publikationen die neue Rechtschreibung. Er hat deshalb das Wort „Wahrung“ aus seinem Namen und seiner Satzung gestrichen. Damit macht sich der VDS als Sprachpflegeverein unglaubwürdig. Der VRS wendet sich gegen jegliche Art schädlicher Veränderung der eigenen Sprache, wie zum Beispiel auch die Franzosen. Im Verhalten der Franzosen spiegelt sich ein Stück Nationalbewußtsein, das in Deutschland aufgrund der Vergangenheit meist verdrängt wird. Im übrigen erheben wir keineswegs gegen alle Sprachpflegevereine Vorwürfe. So zum Beispiel nicht gegen die „Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung“, die wie wir gegen die Rechtschreibreform kämpft. Aber in Vereinen wie der „Gesellschaft für deutsche Sprache“, oder dem „Institut für deutsche Sprache“ haben die Rechtschreibreformer die Schlüsselpositionen besetzt und treffen Entscheidungen für die Reform gegen die Mehrheit ihrer Mitarbeiter. In zweiter Linie machen wir jenen Sprachvereinen und Berufsverbänden Vorwürfe, etwa der „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ oder dem „Deutschen Philologenverband“, die nichts gegen die Rechtschreibreform unternehmen, obwohl ihre Mitglieder ebenfalls mehrheitlich dagegen sind. Den VDS mit seinem Kampf ausschließlich gegen Anglizismen betrachten wir als ein Ablenkungsmanöver zugunsten der Rechtschreibreform. Nachdem der VDS das Wort „Wahrung“ aus seinem Namen gestrichen hatte, traten Mitglieder aus, weil sie bemerkten, daß der VDS die Rechtschreibreform in seinen Veröffentlichungen anwendet.

Warum gibt es nicht dennoch, angesichts der Bedrohung der deutschen Sprache, den Versuch einer Bündelung der Kräfte, vor allem mit dem wichtigen VDS?

Riebe: Wir arbeiten auch mit Sprachpflegevereinen zusammen, die bei der Bewahrung der Sprache andere Akzente setzen als wir. Jedoch können wir keine Bundesgenossen in Vereinen sehen, in denen die Mehrheit des Vorstandes sich aktiv für die Durchsetzung der Rechtschreibreform einsetzt und damit unsere Arbeit konterkariert. Wir hatten bereits im November 1997 nach der Gründung des VDS, den Versuch einer Zusammenarbeit mit ihm unternommen. Walter Krämer antwortete, daß der VDS den Kampf gegen die Rechtschreibreform ausgeschlossen habe. Daran scheiterte ein Zusammenwirken.

Was konkret werfen Sie dem VDS-Vorsitzenden Krämer vor, der erst unlängst in einem ausführlichen JF-Interview mit der auch den VRS erwähnt hat?

Riebe: Walter Krämer ist Mitglied des VRS. Er verfaßt alle seine Bücher in der herkömmlichen Rechtschreibung. Krämer widersteht damit dem von Medienkonzernen ausgeübten Meinungsdruck. Das begrüßen wir. Der VRS vermißt aber eine entsprechende Solidarität auf Vereinsebene. Als Vorsitzender des VDS schadet Krämer der Sache der Rechtschreibung, da er im VDS-Vorstand nur für eine Neutralität des VDS in der Frage der Rechtschreibreform eintritt. Eine Neutralität in dieser Frage gibt es jedoch nicht, wie die Veröffentlichungen des VDS in Neuschrieb zeigen. Dadurch daß der Krämer-Verein rechtschreibgegnerische Vereine wie das „Bürgerforum Deutsche Sprache“ in Köln „schluckte“, neutralisierte er diese Kräfte. Krämer hat einen wissenschaftlichen Beirat gebildet. Diese Sprachwissenschaftler sind natürlich mit großer Mehrheit gegen die Rechtschreibreform. Doch zur Rechtschreibreform werden sie gar nicht gefragt. Sie dienen offensichtlich nur als Aushängeschild im Kampf gegen die Anglizismen.

MORITZ SCHWARZ

Manfred Riebe, Oberstudienrat, ist Vorsitzender des „Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V.“ (VRS), Max-Reger-Str. 99, Schwaig bei Nürnberg, Tel. 0911/ 506 74 22, Fax: 506 74 23; im Weltnetz unter: www.raytec.de/rechtschreibreform oder: www.rechtschreibvolk.de

Junge Freiheit Nr. 26 vom 23. Juni 2000, S. 4
www.jungefreiheit.de
http://www.jf-archiv.de/archiv00/260yy13.htm
______________________________________

Anmerkungen:

Zum Thema vgl. insbesondere Manfred Riebe: „Wahrung“ und „Förderung“ der Sprache (GfdS, IDS, VDS usw.) –
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=2520#2520

Antifaschisten machen aus „schädlicher Veränderung“ einfach: „schändliche Veränderung“: Die Stoßrichtung des Vereins erläutert Riebe in der Jungen Freiheit: „Der VRS wendet sich gegen jegliche Art schändlicher Veränderung der eigenen Sprache. 10“ 10 Riebe Manfred: „Die Sprache gehört dem Volk“, in: Junge Freiheit, Nr. 26, 23.06.2000, S. 4
http://web6.rom036.server4you.de/index.php?nr=178

Ein sogenannter Freudscher „Verschreiber“? Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.
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Manfred Riebe



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Beitrag: Sonntag, 06. Nov. 2005 17:51    Titel: Ephraim Kishon: „Im Westen ist die Presse linksgerichtet“ Antworten mit Zitat

Ephraim Kishon: „Im Westen ist die Presse linksgerichtet“
Über die „Junge Freiheit“: „Sie sind „rechtsgerichtet“, weil Sie nicht linksgerichtet sind.“

Aus einem Link aus der Internetseite von Ephraim Kishon:

KISHON: Ich kann Ihnen ebenfalls keine rationale Erklärung dafür geben, warum im Westen die Presse, die Jurys, die Komitees allesamt linksgerichtet sind. Ich habe nichts gegen Linksgerichtete, eher schon gegen Rechtsgerichtete. Aber das verstehe ich nicht. Als ich 1949 aus Ungarn nach Israel geflüchtet war und laut gesagt habe, der Stalinismus sei ein schreckliches System, wurde ich von diesem Moment an boykottiert. Diese Meinung galt als rechts und reaktionär. Ich frage mich seither, wie ist es nur möglich, daß fast alle europäischen Intellektuellen Anhänger der stalinistischen oder maoistischen Systeme waren? Man bleibt allein. Auch Ihre Zeitung [Junge Freiheit]. Sie sind „rechtsgerichtet“, weil Sie nicht linksgerichtet sind. Ihr niveauvolles Blatt ist nicht radikal, es ist nicht einmal, was man „rechts“ nennt, sonst hätte ich Ihnen kein Interview gegeben.

Interview über sein Leben, seine Arbeit und seine politische Meinung
(Moritz Schwarz , JUNGE FREIHEIT 13/01, 23. März 2001)
http://www.kishon.info/service/links/index.html
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Günter Schmickler



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Beitrag: Montag, 07. Nov. 2005 12:52    Titel: Re: Ephraim Kishon: „Im Westen ist die Presse link Antworten mit Zitat

Manfred Riebe hat folgendes geschrieben:
Ephraim Kishon: „Im Westen ist die Presse linksgerichtet“
Über die „Junge Freiheit“: „Sie sind „rechtsgerichtet“, weil Sie nicht linksgerichtet sind.“

Aus einem Link aus der Internetseite von Ephraim Kishon:

KISHON: Ich kann Ihnen ebenfalls keine rationale Erklärung dafür geben, warum im Westen die Presse, die Jurys, die Komitees allesamt linksgerichtet sind. Ich habe nichts gegen Linksgerichtete, eher schon gegen Rechtsgerichtete. Aber das verstehe ich nicht. Als ich 1949 aus Ungarn nach Israel geflüchtet war und laut gesagt habe, der Stalinismus sei ein schreckliches System, wurde ich von diesem Moment an boykottiert. Diese Meinung galt als rechts und reaktionär. Ich frage mich seither, wie ist es nur möglich, daß fast alle europäischen Intellektuellen Anhänger der stalinistischen oder maoistischen Systeme waren? Man bleibt allein. Auch Ihre Zeitung [Junge Freiheit]. Sie sind „rechtsgerichtet“, weil Sie nicht linksgerichtet sind. Ihr niveauvolles Blatt ist nicht radikal, es ist nicht einmal, was man „rechts“ nennt, sonst hätte ich Ihnen kein Interview gegeben.

Interview über sein Leben, seine Arbeit und seine politische Meinung
(Moritz Schwarz , JUNGE FREIHEIT 13/01, 23. März 2001)
http://www.kishon.info/service/links/index.html


Die Themenauswahl und der Tenor der Kommentare lassen unschwer erkennen, daß es sich bei der „Jungen Freiheit“ um ein „rechtes“ Blatt handelt. Nach wie vor umstritten ist, ob der redaktionelle Inhalt sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung dürfen Meinungsäußerungen in Gastkommentaren und Leserbriefen der Redaktion nicht angelastet werden, allein rechtfertigen sie nicht die Erwähnung eines Presseorgans im jährlichen Verfassungsschutzbericht. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz will nun weiteres Belastungsmaterial beibringen. Die JF beschäftigt also weiterhin das zuständige Gericht in NRW, und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Richter „das letzte Wort“ gesprochen haben..
Daß Ephraim Kishon bei der „Jungen Freiheit“ keinerlei „rechte“ Orientierung ausmachen konnte, beweist gar nichts. Es bestätigt nur, was längst allgemein bekannt ist: Künstler und Intellektuelle tun sich, ungeachtet ihrer sonstigen Verdienste, gelegentlich durch erstaunliche politische Naivität hervor.

G. Schmickler
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MutterErde



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Beiträge: 197

Beitrag: Montag, 07. Nov. 2005 17:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Schmickler , wussten Sie schon, dass drüben der Artikel "Junge Freiheit" derjenige
mit dem grössten Publikumsinteresse ist - dicht gefolgt von Schwaig bei Nürnberg !
Kurios

Sogar der traurige Ritter Hartwig Möller vom NRW-Verfassungsschutz wurde mittlerweile verewigt :-)

Symptomatisch für den Zeitgeist bei wp.de ist übrigens die Löschung eines sehr interessanten Berichts
aus der Jungen Freiheit aus dem Artikel "Schwarzbuch des Kommunismus".

"Schwarzbuch des Kommunismus" : Eine öffentliche Diskussion und ihre Schwierigkeiten
http://www.jf-archiv.de/archiv98/278aa12.htm

Die Begründung kann man sich auf der Zunge zergehen lassen
11:49, 20. Jun 2005 Kplasa (Weblinks - Link zur "Jungen Freiheit" (rechtes Blatt) entfernt)

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schwarzbuch_des_Kommunismus&diff=6973366&oldid=6528877

Natürlich gibts immer irgendwelche schräge Vögel - aber auch dem Rest der Meute war das seit 20. Juni recht.
Naja , da braucht einen ja auch nichts mehr zu wundern.

PS: Und wie sich ein Admin "Jesusfreund" zum OBERbundesverfassungsgericht aufschwang
habe ich ja schon an anderer Stelle beschrieben:
http://www.vrs-ev.de/forum/themaschau.php?p=4169#4169
(Leider hat ihn keiner ausgelacht - ausser mir )

________________________________________________

UPDATE:
So kann´s einem übrigens gehen wenn man zu hartnäckig die Weisheit der Partei bezweifelt:

23:16, 7. Nov 2005 Steschke blockiert Benutzer:Cogito2 für einen Zeitraum von: 1 week
( http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer_Diskussion%3ACogito2&diff=10621937&oldid=10621808
)

"....... Hier ist ein umfassender Exorzismus nötig! " Cogito2

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:Log/block
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